Arbeit & Generation Y

25. Oktober 2018

Unsere Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel durch neue Technologien und Medien. Dies verändert die Produktion, die Dienstleistungen und den Konsum der Menschen auch im Burgenland. Wichtig ist allerdings, dass bei diesen Veränderungen auf die ArbeitnehmerInnen nicht vergessen wird. Aus diesem Grund wurde voriges Jahr von der Arbeiterkammer Burgenland eine Studie initiiert, die sich mit der „Generation Y“ und deren Wünschen und Ansprüchen an eine moderne Arbeitswelt beschäftigt.

Wer ist die Generation Y?

Als Generation Y, auch bekannt als Echo-Boomers oder Millennials, werden laut Literatur jene Menschen bezeichnet, die bis in die 2000er-Jahre hinein geboren wurden. Diese Kohorte charakterisieren Ereignisse der späten 1990er-Jahre sowie jenes von New York 9/11 und die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008. Groß geworden ist die Generation Y mit viel wirtschaftlichem Wachstum, dem Aufkommen von Social Media und Reality-TV. Sie sind daher sozial stark vernetzt und auch weltoffen. Sie wurden eher als Individualisten erzogen und wollen sich daher selbst organisieren und frei über ihre Möglichkeiten entscheiden. Laut Literatur haben Gewerkschaften, Kirchen und politische Parteien einen geringeren Stellenwert als bei früheren Generationen. Auch die Aufnahme von Informationen erfolgt bei der Generation Y ganz anders als bei anderen – sie nutzen verstärkt soziale Medien, lesen fast keine Printmedien mehr und informieren sich über das Internet.

Einstieg in die Arbeitswelt

Der Beginn eines neuen Lebensabschnittes ist sicherlich der Einstieg in die Berufswelt. Oft treffen die jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf spezielle Rahmenbedingungen. Ein Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit zeigt, dass im Jahr 2017 im Burgenland die durchschnittliche Arbeitslosenrate bei Jugendlichen mit 8,4 % über dem österreichischen Durchschnitt lag. Generell weisen die Jugendlichen im Burgenland hohe Qualifikationen auf, bei den Verdienstmöglichkeiten sieht dies aber anders aus. Beim Einkommen der Beschäftigten liegt das Burgenland an letzter Stelle. Hingegen beim Einkommen der BurgenländerInnen wird Platz zwei belegt. Dies lässt also darauf schließen, dass die hohen Einkommen von anderen Bundesländern importiert werden.

Studiendesign

Um die genannten Rahmenbedingungen für eine zukünftige Arbeit zu berücksichtigen, wurden rund 70 SchülerInnen repräsentativ ausgewählt und nach Eisenstadt eingeladen. In sechs Fokusgruppen wurde mit ModeratorInnen und BeobachterInnen über Themen der Arbeit diskutiert. Als Forschungsfragen ergaben sich: Wie stellt sich die Generation Y die Arbeitswelt im ländlichen Raum, am Beispiel Burgenland, vor? Und Welche Forderungen haben sie an die Arbeitnehmerinteressenvertretung im Burgenland?

Präzise Forderungen gestellt: Arbeitsklima und Freizeit wichtigste Themen

Was waren nun die Antworten und Wünsche auf die Forschungsfragen?

Über alle sechs Fokusgruppen hinweg war man sich einig, dass das Arbeitsklima sehr wichtig ist. Es wird durch gute Beziehungen zu den KollegInnen und Führungskräften, Menschlichkeit, Spaß bei der Arbeit, Wertschätzung und Respekt untereinander ausgezeichnet. Für viele sind der Teamgedanke und die gegenseitige Unterstützung Teil des Arbeitsklimas. In diesem Zusammenhang wurde auch die Mitbestimmungsmöglichkeit für ArbeitnehmerInnen besprochen, die einen enormen Einfluss auf das Arbeitsklima hat. Sie wird als sehr wichtig empfunden und muss auf allen Ebenen gewährleistet sein, das heißt Betriebsräte und Jugendvertrauensräte müssen weiterhin gewählt werden dürfen. Es ist für sie auch vorstellbar, dass sie sich selbst zur Betriebsratswahl aufstellen lassen. Die Arbeitnehmerinteressenvertretung im Allgemeinen wird als sehr wichtig eingestuft. Beratungen sollen persönlich, diskret und schnell durchgeführt werden. Daher muss genug Geld für die Wahrung dieser Services vorhanden sein – jegliche Streichungen der Solidaritätsabgabe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für ihre gesetzliche Interessenvertretung wird von den Befragten abgelehnt.

Das Einkommen ist vielen wichtig, es muss auf jeden Fall ausreichen, um die Fixkosten zu decken, aber auch, um sich ab und zu etwas gönnen zu können. Das Einstiegsgehalt soll mindestens zwischen 1.300 und 1.500 Euro netto liegen. Allgemein soll die Bezahlung fair und ausbildungsgerecht erfolgen. Sonderzahlungen werden als unabdingbar erachtet.

Klares Nein zu 12-Stunden-Tag, Ja zur Work-Life-Balance

Gleitzeit wird generell als gut empfunden, aber auch der Vorteil von fixen Arbeitszeiten für die Freizeiteinteilung wird genannt. Acht Stunden pro Tag werden als okay empfunden, zwölf Stunden sind eindeutig zu viel. Sollten Überstunden angeordnet werden, müssen diese unbedingt in Geld oder Freizeit abgegolten werden. 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen sind für die Generation Y nicht vorstellbar. Die maximale Tagesarbeitszeit muss weiterhin bei zehn Stunden liegen. So ist auch der Erholungsurlaub ein wichtiger Faktor in der Work-Life-Balance. 25 Tage werden als gerade noch genug empfunden; eine 6. Urlaubswoche für alle, aber vor allem nach 25 Arbeitsjahren, egal bei welchem Unternehmen, ist gefordert.

Freizeit ist für die jungen Menschen sehr wichtig und bedeutet Zeit für sich selbst zu haben, Hobbys nachzugehen, Vereinsarbeit zu erledigen und wieder neue Kraft zu tanken. Sie wird als wichtiger im Vergleich zur Bezahlung eingestuft. Hierbei gibt es auch ein klares Nein für Anrufe und E-Mails nach der Dienstzeit. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist für die Generation Y sehr wichtig und sollte durch Ruhephasen gestärkt werden. Damit einhergehend ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wichtiges Thema. Kinderbetreuungseinrichtungen sind in diesem Zusammenhang für die Generation Y unverzichtbar.

Zur Selbstverwirklichung gehören Mitbestimmungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen, freie Zeiteinteilung sowie Berufssicherheit. Zukunft bedeutet, sich eine Basis im Job aufzubauen und dann Familie zu gründen – dann verschieben sich auch die Prioritäten hin zu Familienfreundlichkeit des Jobs.

Stress ist in einer schnelllebigen Arbeitswelt kein seltenes Thema. Die Generation Y wünscht sich eine Methode, um den Stress der Arbeit abbauen zu können. Die ArbeitgeberInnen sollen daher über die betriebliche Gesundheitsförderung Seminare und Workshops zur Stressvermeidung und zum Stressabbau anbieten.

Forderungen sind in Umsetzung

Die Studie zeigt auch: Die Generation Y möchte den Arbeitsplatz im Burgenland haben, so nahe wie möglich am Wohnort. Im Burgenland wurden schon einige Forderungen bekräftigt. Da nicht genügend qualifizierte Arbeitsplätze im Burgenland zu finden sind, ist die Politik angehalten – vor allem im Bereich der Forschung und Technik –, gute Infrastruktur für Unternehmen zu schaffen, damit sich diese im kleinsten Bundesland Österreichs ansiedeln.

Weitere Infos zur Studie finden Sie auf der Homepage der Arbeiterkammer Burgenland.