Österreichs Industriestandort: Gut trotz Krise

Marktanteilsverluste, fehlende Wettbewerbsfähigkeit, gefährdeter Industriestandort: Die Übungen in Schwarzmalerei seitens der Interessenvertretungen der Unternehmen fallen in der Öffentlichkeit auf fruchtbaren Boden. Einer nüchternen Prüfung der Fakten halten sie hingegen in keiner Weise stand: Österreichs Industrieproduktion ist von der Eurokrise merklich getroffen, doch im Vergleich mit anderen Ländern läuft sie weiterhin ganz passabel.

Produktionsvolumen +10% seit 2010

Österreichs Industrie steht voll im internationalen Wettbewerb, denn ein erheblicher Teil der Produktion wird direkt oder indirekt für den Export produziert. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wird an der tatsächlichen Produktion gemessen. Die beinahe monatlichen Befragungen von Managern nach deren oft eigentümlichen Befindlichkeiten stellen eher eine Modeerscheinung als einen relevanten wirtschaftlichen Indikator dar.

Produktionsvolumenindex (Basisjahr = 2010)

Quelle: Eurostat
Quelle: Eurostat

Das Produktionsvolumen der Industrie liegt in Österreich im Mai 2015 um knapp 10% über dem Niveau des Basisjahres 2010. Die anhaltenden Eurokrise wird mit dem tiefen Einbruch in der Rezession und der schleppenden Entwicklung seit 2011deutlich sichtbar. Erst vergangenen Winter konnte das Vorkrisenniveau der Produktion des ersten Halbjahres 2008 überschritten werden. In dieser mäßigen Konjunktur kommt vor allem die schwache Nachfrage seitens wichtiger europäischer Handelspartner zum Ausdruck.

Österreichs Industrie deutlich über der Eurozone

Doch in Relation zum Durchschnitt der Eurozone und vielen wichtigen Industrieländern steht Österreichs Industrieproduktion gut da. Die Industriekonjunktur in Österreich läuft weitgehend parallel zu jener in Deutschland. Auch dort liegt die Produktion heute um etwa ein Zehntel höher als 2010. Die harten Fakten stehen in erkennbarem Gegensatz zur vordergründigen öffentlichen Rezeption, die Deutschland so gerne als wirtschaftlichen Weltmeister und Österreich als Abstiegskandidaten wahrnimmt.

Österreichs Industrieproduktion hat sich deutlich besser entwickelt als jene der Eurozone, die nach wie vor etwa ein Zehntel unter dem Vorkrisenniveau liegt und seit 2010 kaum gewachsen ist (+2%). Sie liegt viel besser als jene von Krisenländern wie Italien (7% unter dem Niveau von 2010) oder Spanien (-4%), aber auch von früher erfolgreichen Industrieländern wie den Niederlanden (-11%), Finnland (-9%) oder Schweden (-4%). Günstiger als bei uns hat sich die Industriekonjunktur in einigen Ländern mit starker industrieller Basis und von einem niedrigen gesamtwirtschaftlichen Niveau ausgehendem Aufholprozess entwickelt: In Polen (+19%), der Slowakei (+28%) und der Tschechischen Republik (+15%) produziert die Industrie deutlich mehr als 2010.

Erfolgreicher Strukturwandel

Die harten Fakten zeigen: Österreich gehört zum industriellen Kern Europas und verfügt in vielen Nischen über Betriebe, die als Weltmarktführer agieren. Dies ist auch gesamtwirtschaftlich von hoher Bedeutung und die Sicherung dieser Erfolge erfordert eine aktive Industriepolitik. Die Basis ist gut und die heimische Industrie ist auch im Strukturwandel sehr gut vorangekommen: Die Industriebranchen der Hoch- und Mittelhochtechnologie wachsen rascher und auch die Berufsstruktur zeigt einen markanten Wandel zugunsten wissens- und humankapitalintensiver Aktivitäten.

Die Schwarzmalerei der Interessenvertretungen der Unternehmen verfolgt meist billige Ziele und ist wohl auch dem bevorstehenden Beginn der Lohnverhandlungen in der wichtigen Metallindustrie geschuldet. Ihr fehlt meist jede Basis an nüchterner Analyse der vorhandenen Daten. Wie so oft bei Wirtschaftsvergleichen versucht man Österreichs relativ erfolgreiches Wirtschafts- und Sozialsystem auf unpassende Weise schlecht zu machen, statt gemeinsam an innovativen Lösungen für die bestehenden Herausforderungen zu arbeiten.

 

 

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