Erfolgsstory Fachhochschule in der Zwickmühle

Fachhochschulen bilden seit 25 Jahren erfolgreich Fach- und Führungskräfte aus. Der Sektor soll gute Aus- und Weiterbildung anbieten, wird aber seit Jahren kurzgehalten und vertröstet, was die Finanzierung betrifft. Das führt geradewegs in die Zwickmühle: Einerseits wird eine steigende Qualität in Lehre und Service erwartet, andererseits werden die bereitgestellten Mittel seit Jahren nicht angepasst. Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann, leuchtet wohl ein. Nicht aber dem Finanz- und dem Wissenschaftsminister.

Fachhochschulen sind eine Erfolgsgeschichte – das zeigen die enorme Nachfrage nach Studienplätzen und die stetig steigende Zahl der Studierenden. 2019 waren es bereits mehr als 50.000 österreichweit.

Die Fachhochschulen stellen derzeit

  • 17,3 Prozent der Studierenden in Österreich
  • 23,2 Prozent der prüfungsaktiven Studierenden in Österreich (Uni + FH)
  • 28,7 Prozent der jährlichen AbsolventInnen stammen von Fachhochschulen
  • 27,6 Prozent aller jährlichen StudienanfängerInnen entscheiden sich für eine Fachhochschule

Dafür erhalten sie vom Bund im Rahmen der Studienplatzfinanzierung allerdings nur 8,1 Prozent der Budgetmittel, welche der Bund für hochschulische Lehre vorgesehen hat.

Verschärfend kommt hinzu, dass dieses Geld außerdem nur für den Studienbetrieb, d. h. die Lehre, gedacht ist. Für Forschung (in Form von Basisfinanzierung) oder Investitionen in die Infrastruktur und Ausstattung bekommen die Fachhochschulen – im Gegensatz zu den Universitäten – keine finanzielle Unterstützung aus Bundesmitteln und sind zu einem Großteil auf das schwer zu planende, eigenverantwortliche Lukrieren von Drittmitteln angewiesen.

Die Entwicklung des Verbraucherpreisindex wie auch jene des Tariflohnindex weist folglich einen realen Wertverlust der FH-Studienplatzförderung seit der letzten Erhöhung aus. Berücksichtigt man die jährliche Inflation (Mittel aus VPI und TLI), bekommen die Fachhochschulen heute real rund 3.226 Euro (42 Prozent) weniger Bundesförderung pro Studierender/Studierendem und Jahr als zu Beginn der Fachhochschulen vor 25 Jahren.

… und dann kam Corona

Auch im Corona-Semester 2020 haben die Fachhochschulen alles unternommen, um weiterhin jungen Menschen eine hochqualitative Ausbildung zu ermöglichen und somit eine Zukunftsperspektive zu geben. Innerhalb kürzester Zeit wurden zum Beispiel an der FH des BFI Wien nahezu alle Lehrveranstaltung auf Distanzbetrieb umgestellt und die Prüfungsordnungen überarbeitet. Es wurde in digitale Infrastruktur investiert, neue innovative didaktische Konzepte wurden erstellt und MitarbeiterInnen geschult, und im permanenten Austausch mit der Studierendenvertretung wurde nach Lösungen gesucht.

Fachhochschulen als Antwort auf die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts

Wir leben in einer Zeit, in der wir in jedem Lebensbereich mit immer mehr Wahlmöglichkeiten und Alternativen konfrontiert werden. Starre (Bildungs-)Karrieren gibt es in der Form nicht mehr, an deren Stelle sind eine Vielzahl an Ausbildungswegen getreten. Das FH-System ist dabei deutlich „durchlässiger“, sprich weniger „elitär“, als das System Uni, was aus der Studierendensozialerhebung 2019 (wieder) eindeutig hervorgeht.

An der FH des BFI Wien äußert sich dies in einem großen Anteil an berufsbegleitend Studierenden, Studierenden ohne Matura und internationalen Studierenden. Zusammen mit den AHS- und BHS-AbsolventInnen bilden diese eine heterogene Studierendenkohorte, welche sich aber durch ihre unterschiedlichen (Lebens-)Erfahrungen wechselseitig positiv beeinflussen.

Die Fachhochschulen haben auf diese Entwicklungen mit Lehr- und Lernmethodeninnovation (Online-Lehre, Blended-Learning, projekt- und simulationsbasiertes Lernen etc.) reagiert und somit zu einem hohen Innovationsdruck im österreichischen Hochschulraum beigetragen.

Zudem beklagt die Wirtschaft seit Jahren einen „War of Talents“ und sucht händeringend gut ausgebildete Fachkräfte im Bereich der Technik, Digitalisierung und deren Schnittstellen zu anderen Fachdisziplinen.

Fachkräftemangel und Elitenbildung durch die Hintertür

Fachhochschulen können also die Antworten auf viele wichtige Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts liefern, aber nicht zu dem Preis wie vor 10 Jahren. Steigende Gehaltskosten für hochqualifizierte Lehrende, indexierte Mietkosten, Investitionen in Infrastruktur und Softwarelösungen sowie Lizenzen machen auch vor den Toren der Hochschulen nicht halt.

Während die Universitäten – noch dank der rot-schwarzen Bundesregierung – ein 1,3 Mrd. Uni-Paket geschnürt bekommen haben, wurden die Fachhochschulen vertröstet.

Wer also soziale Durchlässigkeit fördern will und mehr „bildungsfernen“ Menschen Aus- und Weiterbildung bieten möchte, muss konsequenterweise den FH-Sektor stärken.

Wer es nicht tut, betreibt Elitenbildung durch die Hintertür und verschärft den Fachkräftemangel in Österreich.

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