Kinderbetreuung als Berufsfeld für Männer

Nur ein geringer Teil des Kinderbetreuungspersonals in Österreich ist männlich. Dabei zeigen Studien, dass Kindergartenpädagogen eine Bereicherung in den Gruppen sind. Die aktuelle Forschung versucht, Maßnahmen zu identifizieren, die eine stärkere Beteiligung der Männer fördern.

 

Anteil der Männer liegt bei 2 %

Männer stellen 2% des Personals institutioneller Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen (Krippen, Kindergärten, Horten und altersgemischte Einrichtungen). Laut Kindertagesheimstatistik 2014 waren 52.464 Frauen und 1.056 Männer als Betreuungspersonen beschäftigt. Das Geschlechter(miss)verhältnis in Österreich ist international gesehen kein Einzelfall. Viele OECD- und EU-Staaten haben ähnliche Relationen von Männern zu Frauen beim Lehrpersonal (OECD Education at a glance 2014 S 495), wobei die Niederlande und Frankreich als gute Beispiele mit Raten von 14, respektive 17 Prozent Männeranteil bei vorschulischem Lehrpersonal hervorstechen.

Kinderbetreuung und Kleinkinderpädagogik ist traditionell, wie viele CARE-Berufe, eine Frauendomäne. Auch die Arbeiterkammer hat in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Investitionen in die Kinderbetreuung vor allem Frauenbeschäftigung fördern – direkt durch den massiven Frauenanteil in der Branche selbst, und indirekt durch die Möglichkeit von Müttern zu arbeiten, während sie ihre Kinder gut betreut wissen. Dabei sollte aber nicht ausgelassen werden, dass Männer eine Rolle in der Kinderbetreuung spielen können.

Männer in der Kinderbetreuung – Brauchen Kinder Männer?

Die Forschung setzt sich zunehmend mit der Bedeutung männlicher Kindergartenpädagogen auseinander. Sowohl in Deutschland, als auch in Österreich waren männliche Fachkräfte im Kindergarten Gegenstand von im Auftrag von Ministerien erarbeiteten Studien (zu Deutschland siehe Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten, Hrsg. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2014, zu Österreich siehe Zur Wirkung männlicher Kindergartenpädagogen auf Kinder im elementarpädagogischen Alltag, Hrsg. Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Wien 2013). Demnach ist es keine Frage der Betreuungsqualität, ob Mann oder Frau betreuen. Die pädagogisch-fachliche Qualität unterscheidet sich nicht.

Das heißt aber nicht, dass Betreuung durch Frauen und Männer gleich ist. Die Studien zeigen deutliche geschlechtsspezifische Effekte beim Verhältnis zwischen Fachkräften und Kindern auf. Buben können sich oft freier entfalten und suchen den Austausch und die Identifikation mit den Pädagogen, aber auch für Mädchen ändert sich die Dynamik in der Gruppe in einer positiven Weise. Sonst als schwierig geltende Kinder fühlen sich durch die männliche Bezugsperson manchmal besser verstanden und werden dadurch ruhiger.

Die Studien zeigen uns, dass Männer eine Bereicherung in der Betreuung sind. Ohne Klischeevorstellungen aufzukochen, bestätigen die Daten was viele im Rahmen der Studie befragten Eltern vermuteten: Kindergartenpädagogen sind ein positiver Einfluss.

Herausforderung Imagebildung

Gleichstellung in der Gesellschaft war und ist auch ein Thema für Männer. Kinderbetreuung wird nicht als Männertätigkeit wahrgenommen. Das Bild von Männern muss sich ändern. Sie müssen als vollwertige und kompetente Betreuungsperson wahrgenommen werden. Das ist auch unverzichtbar für eine partnerschaftliche Teilung der Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern auf allen Ebenen. Daher ergänzt die Forderung nach mehr Kindergartenpädagogen und -helfern Forderungen wie den Papamonat, eine faire Arbeitszeitverteilung und stärkere Väterbeteiligung in der Erziehung im Sinne der Gleichstellung von Frauen.

Vor allem tragen Kindergartenpädagogen auch ein Männerbild nach außen, das wir unseren Kindern weitergeben wollen. Ein Mann als Lehrer, Ansprechperson, Problemlöser und Tagesgestalter für unsere Kleinsten sagt auch etwas über uns Männer und unser Verantwortungsbewusstsein in der Gesellschaft aus. Der Konsens, dass Männer dieser Berufsweg offen stehen soll, ist überparteilich und interinstitutionell gegeben. Der nächste Schritt liegt in der Identifikation und Implementierung konkreter Maßnahmen um die Männerbeteiligung auch tatsächlich zu erhöhen.

Aus diesem Grunde geht der Fokus der Arbeit und der aktuellen Diskussion dahin, Burschen – aber auch erwachsene Männer – zu ermutigen diesen „Frauenberuf“ zu ergreifen und sie bei dieser Berufswahl zu unterstützen. Abgesehen von Imagekampagnen wird das auch Akzeptanz und Respekt unter uns Männern brauchen.

Zugegeben, der Kindergartenpädagoge schweißt keinen Stahl, aber er schweißt die Gesellschaft zusammen und zeigt was Männer so alles können, ohne Frauen dabei zu entwerten.

Mehr Informationen zum Beruf des Kindergartenpädagogen findet man(n) im Berufsinformationssystem des AMS http://www.ams.at/bis/StammberufDetail.php?noteid=375.

Auch das Sozialministerium bietet weitere Infos und Veranstaltungen für Burschen auf der Suche nach Sozialberufen unter www.boysday.at an.

Themen
MENÜ