Wohnen für Studierende (noch) leistbar?

Bei kontinuierlich steigenden Wohnpreisen sollte Wohnen auch für Studierende finanziell erschwinglich sein. Daher muss auch das entsprechende Wohnangebot zur Verfügung stehen. In diesem Bereich ist jedoch noch viel Arbeit notwendig.

Die meisten Studierenden wohnen mit dem Partner bzw. der Partnerin zusammen

Das Thema Wohnen betrifft uns alle. Auch Studierende stehen immer vor der Frage, welche Wohnform für sie am geeignetsten und kostengünstigsten ist. Laut Studierenden-Sozialerhebung 2015 wohnen die meisten Studierenden (28 Prozent) mit ihrem/ihrer PartnerIn in einem Haushalt zusammen, die wenigsten in einem StudentInnenwohnheim (9 Prozent).

Die Kosten für Wohnen haben sich in den letzten Jahren weiterhin stark erhöht. Laut Statistik Austria sind z. B. die durchschnittlichen Mieten pro Wohnung in Österreich im Zeitraum 2015–2018 um rund 9 Prozent gestiegen. Daher müssen Maßnahmen gesetzt werden, um Wohnen – auch für Studierende – kostengünstiger zu gestalten.

Studierende geben 36 Prozent ihres Gesamtbudgets fürs Wohnen aus

Die durchschnittlichen monatlichen Wohnkosten der Studierenden (exkl. ElternwohnerInnen) betrugen im Sommersemester 2015 rund 390 Euro (lt. Studierenden-Sozialerhebung 2015). Somit gaben Studierende im Durchschnitt 36 Prozent ihres Gesamtbudgets für Wohnen aus. Im Vergleich dazu lag der Wohnkostenanteil der österreichischen Wohnbevölkerung im Jahr 2014 im Schnitt bei 18 Prozent. Dies zeigt im Verhältnis die hohen Wohnkosten für Studierende. Die Ausgaben der Studierenden für Wohnen sind sehr stark vom Alter und der jeweiligen Wohnform abhängig:

Studierende über 30 Jahre haben durchschnittlich die höchsten monatlichen Kosten für Wohnen, da sie häufiger in Einzelhaushalten bzw. mit PartnerIn in einem Haushalt als jüngere Studierende wohnen. Die Wohnsituation verändert sich auch mit dem Alter der Studierenden: Der Anteil der Studierenden, die bei den Eltern bzw. in einem StudentInnenwohnheim leben, nimmt mit zunehmendem Alter ab. So leben 39 Prozent der unter 21-jährigen Studierenden noch bei den Eltern, jedoch nur 5 Prozent der über 30-Jährigen. Da Studierende im Schnitt immer älter werden (17 Prozent über 30 Jahre) und auch vermehrt ein Studium im zweiten Bildungsweg aufnehmen, wird sich an der Situation mit den Ausgaben fürs Wohnen nach Alter nicht sehr viel ändern. Die für heuer geplante Veröffentlichung der Studierenden-Sozialerhebung 2019 wird aktuellste Daten zum studentischen Wohnen liefern. Bei der Preisentwicklung am heimischen Wohnungsmarkt ist davon auszugehen, dass sich die finanzielle Belastung für Studierende auf einem konstant hohen Niveau bewegen wird.

Zimmer in neuen (privaten) StudentInnenheimen kosten bis zu 700 Euro

Im Studienjahr 2017/18 gab es in Österreich 293 StudentInnenwohnheime mit ungefähr 42.000 Heimplätzen und ca. 33.500 BewohnerInnen. Für eine schlüssige Erklärung bezüglich der hohen Diskrepanz zwischen Angebot und Inanspruchnahme bei Heimplätzen liegen keine empirischen Befunde vor. Universitätsnahe Standorte (vor allem in Wien) haben eine bessere Auslastung als regionale Standorte, die nur eine kleinere Hochschule mit weniger Studierenden haben.

Im internationalen Vergleich wohnen in Österreich relativ wenig Studierende – gemessen am
Prozentanteil – in StudentInnenwohnheimen. In Österreich sind es knapp 9 Prozent, in Ländern wie Schweden oder Finnland liegen diese Werte bei rund 30 Prozent (lt. Eurostudent VI 2016–2018). In Finnland gab es 2016 etwa 300.000 Studierende, d. h. rund 90.000 lebten in einem StudentInnenwohnheim. Auf Grundlage dieser Zahlen lässt sich die Hypothese formulieren, dass das Angebot an Heimplätzen in Finnland viel besser ausgebaut sein muss. Die Preise bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie in Österreich.

Seit 2011 gibt es keine Förderungen des Bundes mehr für StudentInnenwohnheime („Investitionsförderung“). Daher ist es für die Betreiber umso schwieriger geworden, kostendeckend zu arbeiten (vor allem bei Neubauten und Renovierungen). Zimmer in neuen (privaten) Wohnheimen kosten bis zu 600–700 Euro. Solche Preise fallen daher kaum unter leistbares Wohnen, vor allem für (junge) Studierende. Laut Studierenden-Sozialerhebung 2015 wohnen nämlich 20 Prozent der Studierenden unter 21 Jahren in einem Wohnheim, jedoch nur 2 Prozent der Studierenden über 30 Jahre.

Im Herbst 2018 wurde das Studentenheimgesetz umfassender novelliert. Die darin vorgenommenen Änderungen haben aber leider nur wenig Positives für Studierende gebracht. Die Mitspracherechte wurden weiter eingeschränkt. So ist es dem Betreiber bei einem Heim mit weniger als 31 Plätzen möglich, die Wahl einer Heimvertretung zu verhindern. Ergänzend gab es auch keine Änderungen bezüglich möglicher Mietobergrenzen für private Heimbetreiber.

Was sind die Vorschläge für mehr leistbares studentisches Wohnen?

Die Österreichische HochschülerInnenschaft spricht in ihrem im November 2019 präsentierten Forderungskatalog an den Nationalrat die notwendigen Verbesserungen klar an. Die ÖH verlangt eine österreichweite Vereinheitlichung der Wohnbeihilfe sowie die staatliche Förderung von Studierendenwohnheimen. Die Forderungen der Arbeiterkammer Niederösterreich & Wien in Bezug auf die Wohnheime gehen in eine ähnliche Richtung. Diese plädiert unter anderem für die Wiedereinführung der Investitionsförderung des Bundes für StudentInnenheime und die Einführung von Mietzinsobergrenzen für private StudentInnenheimbetreiber. Mit der Investitionsförderung soll kostengünstiger Wohnraum für Studierende aus finanzschwachen Familien in Hochschulnähe angeboten werden. Einen ähnlichen Effekt könnten mögliche Mietzinsobergrenzen in privaten Wohnheimen zeigen. Ergänzend würden sich Studierende auch zusätzliche Ausgaben fürs Pendeln sparen, sofern genug leistbarer Wohnraum am Hochschulstandort vorhanden ist. In diesem Zusammenhang wäre auch die aktuelle Regierung gefordert, tätig zu werden. Jedoch finden sich im Regierungsprogramm von Türkis-Grün keine konkreten Vorhaben zur Verbesserung der aktuellen Situation für Studierende. Ein erster wichtiger Schritt wäre, das Angebot an kostengünstigen StudentInnenwohnheimen in Österreich auszubauen.

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