Banker-Boni: ja! Dividenden: ja! Aber Bankensteuer: nein?

„Wir sind Raiffeisen!“: Dieser Werbeslogan trifft heute so richtig ins Schwarze – versammeln sich doch die AktionärInnen der Raiffeisen Bank International AG (RBI) im Austria Center Wien. Ganz oben auf der Agenda steht der Beschluss der Dividendenzahlungen für das Jahr 2013 im Ausmaß von 228 Mio. Euro. Das ist eine Steigerung von 1,05 auf 1,17 Euro (+11,4%) pro Aktie, obwohl der Konzernjahresüberschuss signifikant um ein Viertel auf 725 Mio. Euro zurückgegangen ist. Über das Anheben der Dividende werden sich die AktionärInnen bestimmt freuen, weniger Grund zum Jubeln gibt es da schon über die schlechte Presse durch den jüngsten Gehalts- und Steuerskandal des (mittlerweile zurückgetretenen) langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herbert Stepic. Die schiere (sic!) Höhe des Stepic-Bonus hat nämlich sogar den eigenen Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Rothensteiner überrascht, paradox hat er doch als Aufsichtsrat den Vorstandsvertrag und damit die Bonifikation mittels Aktienoptionsprogramm mitbeschlossen…

Krisenfeste Banker-Boni, großzügige Ausschüttungspolitik   

„Give smart people go-for-broke incentives and they will go for broke” (Alan Blinder, 2009). Das ist ja spätestens seit der Finanzkrise nichts Neues: Je enger die Bezahlung von Bankvorständen an die kurzfristigen Interessen der AktionäInnen gekoppelt sind, desto höhere Risiken geht das Management ein. Und wenn die – immer steileren – Gewinn- und Renditevorgaben erfüllt werden, erhalten die beteiligten Banker traumhafte Bonuszahlungen. Sichtbar wurde diese Logik wieder einmal am jüngsten Beispiel der RBI: In Summe hat der Vorstandsvorsitzende Herbert Stepic allein im Jahr 2012 5,2 Mio. Euro erhalten, davon wird er angeblich 2,0 Mio. Euro zurückzahlen. Der Löwenanteil stammt insbesondere aus dem Abreifen eines Aktienoptionsprogramms (Share Incentive Program). Außerdem wurde noch ein Bonus für das „außerordentlich gute Jahr 2011“ ausgeschüttet, ausschließlich gemessen an finanziellen Indikatoren wie dem Gewinn nach Steuern und der Cost-Income Ratio. Aber nicht nur bei Raiffeisen fallen Vorstandsvergütung und Ausschüttungsvolumen vergleichsweise hoch aus: Nach einem Jahr Dividendenauszeit zahlt eine andere große, börsennotierte Bank, die Erste Group Bank AG, dieses Mal 157,8 Mio. Euro an Dividenden und landet damit prompt in den Top-5 der ATX-Konzerne bezogen auf das Ausschüttungsvolumen. Aufgrund sinkender Risikokosten konnte der Bankkonzern einen zurechenbaren Gewinn von rd. 483,5 Mio. Euro erzielen. Nach Abzug der Dividenden auf das Partizipationskapital verbleibt ein zu verteilender Gewinn in der Höhe von 342,2 Mio. Euro, wovon wiederum die Hälfte (46,1%) an die AktionärInnen fließt.

Gute Gewinne dank rückläufiger Risikokosten

Ein Blick auf die Ertragsentwicklung des gesamten österreichischen Kreditsektors (basierend auf Einzelabschlussdaten) zeigt, dass sich das Geschäft – trotz des historischen Niedrigzinsniveaus – allmählich wieder stabilisiert. Das Jahresbetriebsergebnis beläuft sich auf 6,9 Mrd. Euro (-7,3%), allerdings konnten die Risikokosten deutlich um mehr als zwei Drittel gedämmt werden und liegen nur mehr bei etwas mehr als einer Mrd. Euro. Damit erreichen die Wertberichtigungen erstmals seit 2008 wieder das Vorkrisenniveau: In den Jahren 1995 bis 2007 liegt das Volumen im Schnitt bei 1,5 Mrd. Euro, von 2008 bis 2011 erreichten sie ein Ausmaß von durchschnittlich rd. 6,0 Mrd. Euro. Unterm Strich erwirtschafteten die österreichischen Banken im Jahr 2012 wieder einen Gewinn von 3,2 Mrd. Euro – nach 1,2 Mrd. Euro im Vorjahr, das ist ein sattes Plus von 169,0%. Positiv wirkten sich Sondereffekte sowie Rückgänge bei Abschreibungen auf Firmenwerte von Tochterunternehmen und geringere Vorsorgen für Wertpapiere aus. Der gesamte Kreditsektor wendete zwischen 1995 und 1999 noch jeweils mehr als 30,0% der erwirtschafteten Betriebserträge für den ordentlichen Personalaufwand (Personalaufwand ohne Abfertigungen und Pensionen) auf. Dann entwickelt sich die Personalaufwandstangente tendenziell rückläufig, auf das aktuell vorliegende Gesamtjahr 2012 bezogen liegt der Anteil bei 28,0%.

Massive Einsparungen bringen Beschäftigte unter Druck  

Dieser Einsparungsdruck spiegelt sich zudem in der Entwicklung der Personalzahlen des österreichischen Bankwesens wider: Die Anzahl der Beschäftigten nach Köpfen ist zum Jahresende 2012 gegenüber 2011 deutlich um 630 MitarbeiterInnen (-0,8%) auf 79.110 zurückgegangen. Während die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten zugenommen hat, geht Vollzeitbeschäftigung deutlich zurück. Weniger Beschäftigte gibt es insbesondere in den Sektoren Volksbanken, Aktienbanken, Sparkassen und den Bausparkassen. Bei einer Diskussion des Wirtschaftsklubs Tirol vor einigen Tagen meinte der Vorstandsvorsitzende der UniCredit Bank Austria AG Willibald Cernko sogar, dass das Filialnetz und der MitarbeiterInnenstand noch weiter schrumpfen werden: Dem heimischen Finanzsektor droht in den kommenden zehn bis 15 Jahren ein Verlust von 15.000 Stellen. Dabei sind die Arbeitsbedingungen im österreichischen Finanzsektor schon in den vergangenen Jahren krisenbedingt deutlich schwieriger geworden, wie zahllose Einsparungsprogramme (z.B. Outsourcing, Nearshoring) belegen, die bereits durchgeführt wurden bzw. im Laufen sind. Dazu kommen permanenter Verkaufs- und Arbeitsdruck, überbordende Arbeitszeiten und Probleme, die geleistete Arbeit entsprechend abgegolten zu bekommen, wie die Gewerkschaft gpa-djp in einer Umfrage feststellen musste. Dabei haben insbesondere die MitarbeiterInnen im vertrauensbildenden, tagtäglichen KundInnenkontakt ihren maßgeblichen Beitrag zur Stabilisierung der Ertragslage im Kreditsektor geleistet.

Fazit  

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen (Niedrigzinsniveau, erhöhte Eigenkapitalerfordernisse, Kosteneinsparungsprogramme) beginnt sich die Ertragssituation der österreichischen Banken nach der Krise wieder zu normalisieren: Die Risikokosten gehen deutlich zurück, liegen am Vorkrisenniveau und entlasten den Gewinn spürbar. Nicht verändert hat sich hingegen die Verteilungspolitik im Kreditsektor. Wie das eingangs erwähnte Beispiel der RBI deutlich zeigt, verdienen sowohl Management als auch EigentümerInnen wieder bzw. nach wie vor prächtig. Die Vergütungsinstrumente für das Top-Management orientieren sich weiterhin insbesondere an Shareholder-Value orientierten Kennzahlen. Aktienoptionspläne gibt es nach wie vor und damit geht das Roulettespiel im Finanzkasino ungehemmt weiter. Die Lehren aus der Krise und damit der notwendige Paradigmenwechsel in Richtung verantwortungsvolles, strategisches Wirtschaften lässt weiter auf sich warten. Der Staat hat durch die Bankenrettungspakete die Volkswirtschaft vor noch schwerwiegenderem Schaden bewahrt und im Gegenzug einen fairen Beitrag in Form der Bankensteuer zur Finanzierung eingefordert. Angesichts der Millionen für Banker-Boni und Dividenden, ist es absolut gerechtfertigt die (in Relation zum budgetären Schaden ohnedies nur geringen) Bankenabgabe bis auf weiteres zu verlängern.

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