Beschäftigungsanstieg trotz stagnierendem Arbeitsvolumen

Im letzten Jahrzehnt kam es, vom krisenbedingten Einbruch im Jahr 2009 abgesehen, in jedem Jahr zu einem Anstieg der Beschäftigung. Das betrifft sowohl die unselbständigen wie auch die selbständig Beschäftigten. Gute Neuigkeiten also, oder? Nicht wirklich, denn obwohl es mehr Beschäftigte gibt, wird – in Arbeitsstunden gemessen – (fast) nicht mehr gearbeitet als vor 10 Jahren.

Mehr Beschäftigte teilen sich das gleiche Stundenvolumen

Ein Blick auf die Daten von Statistik Austria zeigt, dass die Zahl der Erwerbstätigen seit 2004 um 11,9 % gestiegen ist, die geleisteten Arbeitsstunden aber nur um 0,6 %. Das heißt, dass sich erheblich mehr Menschen heute dieselbe „Arbeitsmenge“ teilen wie im Jahr 2004. Anders ausgedrückt ist die Menge der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden pro beschäftigter Person seit 2004 um 10 % oder 186 Stunden pro Jahr zurückgegangen.

Entwicklung von Beschäftigung und Arbeitsvolumen (2004 = 100)

Grafik Entwiklung von Beschäftigung und Arbeitsvolumen - Wagner Norman - 2015.06Quelle: Statistik Austria, eigene Berechnung.

Stagnierendes Arbeitsvolumen seit Beginn der Wirtschaftskrise

Noch etwas verraten die Zahlen von Statistik Austria. Während der Anstieg von Beschäftigung und Arbeitsstunden bis 2008 noch einigermaßen parallel verlief, zeigt sich seit 2009 eine eindeutige Auseinanderentwicklung. Im Zuge der Wirtschaftskrise setzte die österreichische Wirtschaft stark auf stabile Beschäftigung durch Kurzarbeit. Das heißt, dass die Zahl der Beschäftigten einigermaßen konstant gehalten wurde, indem die Arbeitsstunden reduziert wurden. Die finanziellen Einbußen der Beschäftigten wurden dabei durch Unterstützung der öffentlichen Hand gering gehalten. So kam es zwischen 2008 und 2009 zu einem Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden von etwa 5,4 %, bei gleichzeitig beinahe unveränderter Beschäftigung (- 0,3 %). Diese Vorgangsweise wurde damals wie heute als sinnvoll und richtig eingeschätzt.

Problematisch ist jedoch, dass das Arbeitsvolumen seither nicht mehr das Niveau von 2008 erreicht hat, obwohl die Zahl der Beschäftigten seither kontinuierlich steigt.

Mehr Teilzeitbeschäftigung

Ein zentraler Grund für diese Entwicklungen ist, dass Beschäftigungsanstiege seit Jahren regelmäßig mit einer Ausweitung der Teilzeit einhergehen. Waren 2004 noch 721.000 Menschen in Österreich teilzeitbeschäftigt, stieg diese Zahl bis 2014 auf 1.147.000, ein Plus von fast 60 %. Die große Mehrheit der Betroffenen sind Frauen (2014 fast 80 % aller Teilzeitbeschäftigten), aber auch die Zahl der teilzeitbeschäftigten Männer steigt kontinuierlich. Steigende Teilzeitbeschäftigung kann selbst bei sinkender Vollzeitbeschäftigung (wie z.B. in den Jahren 2012 bis 2014) einen Anstieg der Beschäftigten bei gleichzeitigem Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden bewirken.

Vollzeitbeschäftigung stagniert

Im selben Zeitraum (also von 2004 bis 2014), in dem die Teilzeitbeschäftigung um 60 % zunahm, stagnierte die Vollzeitbeschäftigung de facto (+ 0,3 %). Die von Vollzeitbeschäftigen geleisteten Arbeitsstunden gingen zwischen 2004 und 2014 um etwa 6 % zurück. Das bedeutet, dass Vollzeitbeschäftigte heute im Schnitt weniger Stunden arbeiten (z.B. 43 statt 46 Stunden pro Woche) als noch vor 10 Jahren.

Fazit

Der Anstieg der unselbständigen und der selbständigen Beschäftigung, der in Österreich über das letzte Jahrzehnt hinweg stattgefunden hat, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Umverteilung des kaum wachsenden Arbeitsvolumens. Verantwortlich dafür sind sowohl die stetig wachsende Gruppe der Teilzeitbeschäftigten, wie auch der Rückgang der im Durchschnitt geleisteten Arbeitsstunden der Vollzeitbeschäftigten.

Arbeitszeitverkürzung ist grundsätzlich zu begrüßen, sie sollte aber auf andere Weise geschehen, als dies aktuell der Fall ist: eine Reduktion der unbezahlten Überstunden, die Verteuerung der bezahlten, oder die Ausweitung der Freizeitoptionen in den Kollektivverträgen sind einige der Möglichkeiten.

Weiterführende Informationen zum Thema Anstieg der Erwerbstätigkeit trotz stagnierendem Arbeitsvolumen sind in der aktuellen Ausgabe des statistischen Newsletters der Arbeiterkammer Wien, Sozial- und Wirtschaftsstatistik aktuell zu finden.

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