AK-Unternehmensmonitor: Der jährliche Blick in die Welt der Bilanzen

Wenn man den Botschaften der Unternehmerverbände und ihren gebetsmühlenartigen Predigten Glauben schenkt, dann ist es wahrlich schlecht um das Unternehmertum in Österreich bestellt. Der Eigentümer – eigentlich der Inbegriff des Barmherzigen Samariters – kämpft mit der Konjunktur, schafft trotzdem Arbeitsplätze, zahlt horrende Steuern, nimmt ein hohes Risiko in Kauf und wird bestenfalls mit mickrigen Renditen abgespeist. Keine Frage, die Finanz- und Wirtschaftskrise und die darauffolgende Austeritätspolitik sowie die fragile Konjunktur hinterlassen in den Unternehmen ihre Spuren. Allerdings geht’s den heimischen Betrieben wirklich so schlecht, dass sie nichts zu verteilen haben? Die Arbeiterkammer wirft in ihrem kürzlich veröffentlichten Unternehmensmonitor einen Blick hinter die Kulissen der Unternehmenswelt, konkret in die Bilanzen von rund 1.500 österreichischen Unternehmen…

Das übliche Gesudere?

Das vierte Mal in Folge werden die Jahresabschlüsse der wichtigsten heimischen Unternehmen unter die Lupe genommen. Den Ergebnissen des AK-Monitorings zufolge haben die Konzernzentralen ihre Lehren aus der Krise gezogen und seither ihre Finanzierungsstruktur kontinuierlich verbessert. Besonders gut steht es um die Zahlungsfähigkeit: Die durchschnittliche Liquidität erreicht mit rund 115% im Beobachtungszeitraum einen neuen Spitzenwert – mit diesem finanziellen Rückhalt können kurzfristig fällige Schulden jederzeit getilgt werden. Im Hinblick auf die erst langsame Erholung der Konjunktur wirkt die positive Entwicklung der Zahlungsfähigkeit als wichtige und zuverlässige Stütze. Das beste Viertel der untersuchten Unternehmen darf sich sogar über fast doppelt so hohe Liquiditätsgrade freuen. Sollte es – getrieben von volatilen Finanzmärkten – zu finanziellen Engpässen kommen, verfügen die Unternehmen über ausreichend Liquidität, um mögliche Schwierigkeiten kurzfristig zu überbrücken. Der hohe Liquiditätsgrad kombiniert mit einer höheren Eigenkapitalausstattung von durchschnittlich 45,4% bescheinigt den Unternehmen eine solide und nachhaltig verlässliche Finanzierungsstruktur.

Eigenkapitalrentabilität

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EigentümerInnen profitieren

Die wirtschaftliche Performance der großen heimischen Unternehmen konnte sich trotz einer in der zweiten Jahreshälfte 2012 nachgelassenen Konjunktur erneut sehen lassen: Die Unternehmen erwirtschafteten im Gesamtjahr 2012 allein aus dem Kerngeschäft im Schnitt eine Gewinnmarge von guten 4,1%. Für die EigentümerInnen ist das Investment in heimische Betriebe nicht nur angesichts dieser Ertragszahlen äußerst lukrativ. In den letzten fünf Jahren erzielten die EigentümerInnen durchwegs hohe Rentabilitäten auf ihr eingesetztes Eigenkapital. 2012 übertrifft die erzielte Eigenkapitalrentabilität von 12,9% die risikolose Verzinsung – gemessen an der Sekundärmarktrendite (SMR) – um 11,4 Prozentpunkte. Die heimischen Industriellen sind Spitzenverdiener mit einer erzielten Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital von phantastischen 20,1%. Der vielzitierte Mut und das Risiko des Unternehmertums werden damit mehr als großzügig abgegolten.

Zehn gute Lohnrunden könnten locker finanziert werden

Aber nicht nur die Rentabilität auf das eingesetzte Kapital entwickelt sich für die Aktionäre hervorragend, sondern auch die tatsächlichen Zahlungen befinden sich einmal mehr in einer anderen Dimension: Denn die guten Gewinne des Jahres 2012 sind wieder der Garant für hohe Ausschüttungen, gemessen an der Lohn- und Gehaltssumme liegt der Dividendenanteil bei 36,6% und damit nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Das ist zwar im Vergleich zu den Vorjahren ein begrüßenswerter Rückgang, die EigentümerInnen profitieren jedoch in einem höheren Ausmaß von der guten Ertragslage als die ArbeitnehmerInnen in Form von höheren Löhnen und Gehältern: Denn mit diesem Volumen – was einige wenige erhalten – könnten zum Beispiel auf einen Schlag zehn passable Lohnrunden oder zahlreiche neue Arbeitsplätze finanziert werden.

Ausschüttungstangente

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Für die Zukunft eines Standorts sind Investitionen in MitarbeiterInnen und in Sachinvestitionen der Schlüssel zum langfristigen Bestand und Erfolg.  2012 wurde in den Unternehmen – wie auch der WIFO-Investitionstest bestätigt – wieder vermehrt in Sachanlangen investiert und auch eine Zurückhaltung bei Finanzinvestitionen erscheint noch als Gebot der Stunde. Allerdings wird das verlorengegangene Investitionspotenzial ebenfalls deutlich sichtbar: Denn die 2013 ausbezahlten Ausschüttungen liegen auf dem Niveau der im Jahr 2012 getätigten Sachinvestitionen. Gerade in der investitionsintensiven Industrie liegen die Ausschüttungen trotz einer messbaren Mäßigung sogar deutlich über dem Niveau der Sachinvestitionen. Die Gefahr für den Industriestandort ist dabei unübersehbar.

Gesellschaftliche Verantwortung mangelhaft

Trotz der guten Ertragslage der Unternehmen werden kaum Arbeitsplätze geschaffen und auch die effektive Steuerquote von 19% liegt seit Jahren deutlich unter dem nominellen Körperschaftssteuersatz von 25%. Daran zeigt sich die mangelhafte gesellschaftliche Verantwortung der heimischen Wirtschaft. Die im Zuge des Abgabenänderungsgesetzes 2014 geplanten Änderungen bei der Gruppenbesteuerung können erst ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Der AK Unternehmensmonitor bescheinigt den heimischen Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen hohe Ertragskraft und nachhaltige Finanzierungsstrukturen. Offensichtlich reichen diese Fakten nicht aus um den Beschäftigten, die mit ihrer Arbeit den Profit erwirtschaftet haben in Form von fairen nachhaltigen Löhnen und Gehältern und der Schaffung von Arbeitsplätzen am Erfolg teilhaben zu lassen. Wichtig scheint nur zu sein, dass das Füllhorn der EigentümerInnen mittels großzügiger Dividendenzahlungen weiterhin gut gefüllt bleibt. Die Arbeitnehmervertretung wird weiter darauf achten, dass die Wirtschaft – insbesondere die kapitalmarktorientierten Unternehmen – einen fairen Beitrag für die Gesellschaft leistet.

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