Planlosigkeit als neues Geschäftsmodell – oder: Die ÖIAG auf Sinnsuche

An dieser Stelle wurde ja schon über die Hintergründe des Telekom-Deals berichtet. Als Glanzleistung des ÖIAG-Managements wird die Übernahme durch America Movil wohl nicht in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. America Movil hat die Herrschaft übernommen, die ÖIAG hat für den Verlust an Einfluss keine nennenswerte adäquate Gegenleistung erhalten. Ein für die Österreichische Infrastruktur besonders bedeutendes Unternehmen ist damit in mexikanische Hände gewandert. Die Geschichte ist nunmehr aber noch um einige Facetten reicher geworden: Zunächst werden sowohl Telekom- als auch ÖIAG-Vorstand vom 400 Mio Euro Verlust in Bulgarien überrascht. Dann sind statt der Hypo-Abbaubank plötzlich die Casinos Austria als ÖIAG-Beteiligung im Gespräch. Und daneben erneuert/reproduziert sich der ÖIAG-Aufsichtsrat ua mit Ex-Magna-Chef Wolf weiter selbst.

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Der Staat als Pleiteholding: Die Telekom wird mexikanisch – und was hat Österreich davon?

Mit den Mexikanern verbindet Österreich ein Stück Historie: Da wurde vor rund 150 Jahren ein Habsburger nach drüben geschickt, der war zwar dort nicht willkommen und deshalb selbst bald Geschichte. Mittlerweile gehört er aber doch auch zum mexikanischen Lokalkolorit. Historisch bedeutsamer ist wohl der Dienst, den Mexiko Österreich im Jahr 1938 erwiesen hat, als es als einziges Land den Anschluss an das nationalsozialistische Terrorregime nicht anerkannte. Vielleicht haben diese historischen Verbindungen den handelnden Personen im Telekom Austria-America Movil-Deal eine diffuse Vertrautheit vermittelt. Es muss wohl irgend so ein Bauchgefühl gewesen sein, denn wirtschaftspolitisch gibt es für den jetzt geschlossenen Syndikatsvertrag und der damit in die Wege geleiteten Reduktion des Staatsanteils bei der Telekom-Austria (TA) keine Ratio. Abgesehen vom historischen Überbau unterscheidet sich die Geschichte der Telekom kaum vom Vorgehen Österreichs bei den letzten Privatisierungen. Was wirtschaftlichen Erfolg hat wird verkauft, möglichst noch unter Wert. Der Rest bleibt der Republik. Der Staat verkommt zunehmend zur Mist- und Sondermülldeponie, die ökonomischen Erfolge werden von anderen abgeholt.

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