Bis zur Gläsernen Decke

Während europaweit immer mehr Staaten die Gleichstellung von Männern und Frauen bereits gesetzlich verankert haben, ist Österreich von der Verwirklichung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern im Erwerbsleben, insbesondere in den Top-Führungsetagen, weit entfernt. Frauen sind in den Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen im Jahr 2013 immer noch eklatant unterrepräsentiert.

Same old same old – Austria

Obwohl der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der größten Börsenunternehmen anderer europäischer Ländern in den letzten Jahren – insbesondere durch die Einführung von gesetzlichen Quotenregelungen – gesteigert werden konnte, gehört Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen. Norwegen, Finnland und Lettland liegen im Spitzenfeld. In Italien, in dem kürzlich eine verbindliche Quote eingeführt wurde, konnte beispielsweise der Frauenanteil von 5,0% im Jahr 2011 auf 13,0% im Jahr 2012 gesteigert werden.

Aus einer Untersuchung vom Februar 2013 geht hervor, dass sowohl die Geschäftsführungen als auch die Aufsichtsräte der Top 200 Unternehmen Österreichs (Stand: Goldener Trend 2012), weiterhin klar von Männern dominiert werden. In der Geschäftsführung hat sich der Frauenanteil marginal verändert und liegt mit nur 5,6% knapp über dem Vorjahresschnitt (Februar 2012: 5,1%).

Trotz zahlreicher Initiativen von Politik und Wirtschaft hat sich zudem die Anzahl der Aufsichtsrätinnen nicht nachhaltig verbessert, sondern steigt lediglich von 11,2% (2012) auf 13,5%. Damit ist gerade einmal jeder 18. Vorstandsposten und jede siebte Aufsichtsratsfunktion weiblich besetzt. In nur 20 der 200 umsatzstärksten Unternehmen ist zumindest eine Frau sowohl in der Geschäftsführung als auch im Aufsichtsrat vertreten.

Die österreichischen börsennotierten Unternehmen haben sich im Hinblick auf den Frauenanteil an der Führungsspitze gegenüber dem Vorjahr zwar verbessert, schneiden aber beispielsweise im Vergleich zu den staatsnahen Unternehmen weit abgeschlagen ab: Der Frauenanteil im Vorstand liegt bei niedrigen 3,3%, Aufsichtsrätinnen sind nur zu 11,6% vertreten (staatsnahe Unternehmen: 33,0%). Und das obwohl einerseits der Corporate Governance Kodex empfiehlt, Förderungsmaßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen zu setzen und zudem der Gesetzgeber vorschreibt, die Aspekte der Diversität im Hinblick auf die Vertretung beider Geschlechter im Aufsichtsrat zu berücksichtigen (vgl. Aktiengesetz §87 Abs. 2a). Doch der Vergleich mit den staatsnahen Unternehmen zeigt einmal mehr, dass nur die Vorgabe von konkreten Zielen eine spürbare Verbesserung bringt und zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Wirtschaft führen kann. Empfehlungen, die sowohl konkrete Zielvorgaben (z.B. Quotenregelung) als auch Sanktionen bei Nichteinhaltung vermissen lassen, haben bisher ihre Wirkung verfehlt.

Geschafft?!

Die Kommission – federführend Justizkommissarin Viviane Reding – hat im Mai 2012 eine öffentliche Konsultation gestartet, um der Frage nachzugehen, mit welchen Maßnahmen dem anhaltenden Ungleichgewicht in den Leitungsorganen am besten zu entgegnen ist. Aufgrund eines immer wahrscheinlicher werdenden Richtlinienvorschlages, bildete sich in einigen Mitgliedstaaten Widerstand. Insbesondere im Vorfeld der entscheidenden Kommissionssitzung am 14. November 2012 kam es zu Protesten gegen das Quotenvorhaben. Doch nach einem zähen und umstrittenen Prozess hat das Kommissionskollegium letztlich dem Richtlinienvorschlag (Richtlinie 299/2012) zur Gewährleistung einer ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern unter den nicht geschäftsführenden Direktoren/Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften zugestimmt. Dieser muss nun noch das Parlament und den Rat passieren.

Und nun?

Trotz der durchaus positiven Entwicklungen in der Gleichstellung der Geschlechter bestehen noch immer stereotype Annahmen über geschlechtskonformes Verhalten, welche die Entscheidungen am Arbeitsplatz maßgeblich beeinflussen. Geschlechtsspezifische Stereotypisierung wird in der aktuellen Forschung als einer der Schlüsselfaktoren betrachtet, der Frauen den Weg zur Unternehmensführung versperrt.

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